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Mercedes Langhauber

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Mercedes Langhauber

Von Torsten Reck


Von links nach rechts: L 701, L 3500, L 321, L 5000, L 6600. Der L 3500 hat durch einen Umbau nachträglich eine Verglasung erhalten © Foto: Torsten Reck


Leichte Langhauber

MB L 701

Seit August 1944 wurden im Mannheimer Mercedes-Werk kriegsbedingt der Opel Blitz Dreitonner gebaut. Nach Kriegsende wurde dort der Opel Blitz zunächst weiter gebaut, anfangs mit Holzfahrerhaus, ab 1948 wieder mit ursprünglicher Stahlkabine, die von Opel zugeliefert wurde. Die Hälfte der Produktion ging an die Adam Opel AG und wurde als Opel Blitz verkauft, die andere Hälfte wurde als Mercedes-Benz L 701 angeboten. Optisch unterscheid sich der Mercedes vom Opel Blitz durch den fehlenden Opel-Blitz auf dem Kühlergrill.

1973 kündigte Wiking als Neuheit den "Opel Blitz 1939" mit Pritschenaufbau sowie mit Kastenaufbau (Militär) an. Als Vorbild diente offenbar ein Mercedes-Nachbau, denn auf die Darstellung des Opel-Blitzes auf dem Kühlergrill wurde verzichtet. Dies wurde erst 1976 mit der Neuheit "Opel Blitz 1939 mit Militär-Verdeck" behoben, wobei im Rahmen der Resteverwertung anfangs noch einige olivgrüne Fahrerhäuser ohne Opel-Blitz auf dem Kühlergrill verwendet wurden. Das Mercedes L 701-Fahrerhaus bot Wiking nur in den Farben hellelfenbein, hellgelbgrau, gelbgrau und hellolivgrün (Pritschen-LKW) sowie in olivgrün (Pritschen-LKW, Pritschen-LKW Militär, Koffer-LKW Militär) an.

MB L 3500

Auf Basis des Opel Blitz Dreitonners entwickelte Mercedes einen eigenen Nachfolger mit 3,25 t Nutzlast und bot diesen 1949 als L 3250 an, Opel zog sich aus dem Segment der LKW mit 3 t Nutzlast zurück.
1950 wurde die Nutzlast auf 3,5 t erhöht und das Modell war auch mit 420 cm Radstand lieferbar. Von 1950 bis 1954 wurde es als L 3500, von 1955 bis 1961 als L 311 angeboten, der Kipper als L 3500 K bzw. LK 311, die Feuerwehrfahrzeuge als L 3500 F bzw. LF 311. Ab 1953 bot Mercedes auf Basis des L 3500 auch den L 4500 mit 4,5 t Nutzlast an, der von 1955 bis 1961 unter der Bezeichnung L 312 verkauft wurde. 1957 kam der L 321 mit 5,5 t Nutzlast hinzu. Erkennbar sind die leichten Hauber-LKW an der kurzen Motorhaube mit schmalem Mittelteil, den seitlichen horizontal gleichlang angeordneten Lüfterlamellen, dem Frontscheinwerfer vor dem Kotflügel und den kurzen Trittstufe unter den Türen.

1952 bot Wiking den MB L 3500 mit 420 cm Radstand als Pritschen-LKW (T 45) an, der sich das Fahrgestell mit dem ebenfalls 1952 erschienenen Ford FK 3500 (T 46) teilte. 1953 folgten Koffer-LKW (T 54) und Post-Koffer-LKW (T 55), 1954 Spritzen- und Leiterwagen (T 61/62), 1955 Muldenkipper (T 44), Getränkewagen (T 56/T 57) und Sprengwagen (T 64), 1958 Esso- und Aral-Tankwagen (78/78a) und 1959 der Milchwagen (57). 1960 erschien er letztmalig im Katalog.
Erhältlich war der L 3500 von Wiking bisher nur als unverglastes Modell.

Mittelschwere Langhauber

MB L 5000

1945 wurde bei Mercedes die Produktion der mittelschweren LKW in Form des L 4500 mit 4,5 t Nutzlast und 4600 mm Radstand wieder aufgenommen, 1949 wurde die Nutzlast auf 5 t erhöht und das Holz- durch ein Stahlfahrerhaus ersetzt. Im Herbst 1952 bekam der L 5000 eine neue Motorhaube mit waagerechten statt senkrechten seitlichen Lüftern, im Frühjahr 1953 wurde die Nutzlast auf 5,5 t erhöht und die Bezeichnung in L 5500 geändert. Im Sommer 1954 wurde die offene Stoßstange durch eine geschlossene ersetzt und die Bezeichnung in L 325 geändert. 1956 kam der L 329 mit stärkerem Motor und 6 t Nutzlast hinzu, der L 325 schied 1957 aus dem Programm aus. Der L 329 wurde noch bis 1959, die Export-Version L 330 bis 1961 gebaut. Erkennbar sind die mittelschweren Hauber an der langen Motorhaube mit dem v-förmigen breiten Mittelteil, dem Frontscheinwerfer auf Höhe der Kühlermaske und den langen Trittstufen unter den Türen.

Von 1954 bis 1959 bot Wiking den L 5000 mit unverglaster Kabine als Pritschen-LKW (T 43) an, der sich das Fahrgestell mit dem ebenfalls 1954 erschienen Magirus S 3500 teilte. Der Radstand lag mit umgerechnet 440 cm genau zwischen den Vorbildern Magirus S 3500 (420 cm) und Mercedes L 5000 (460 cm). Durch diesen Kompromissradstand konnten die vorhandenen Aufbauten (Pritschen, Koffer etc.) weiter verwendet werden. Weitere Einsatzgebiete des MB L 5000 waren Spritzen- und Leiterwagen (T 61/62), selten anzutreffen war er als Post-Koffer-LKW (T 55, laut Gelber Katalog nur 1954) und als Koffer-LKW (nur Auftragsmodell Möbel Willems).

1959 erhielten sowohl der Magirus S 3500 als auch der Mercedes L 5000 eine Verglasung. Zudem kamen beide erstmals als Sattelzugmaschine zum Einsatz. Der Radstand der Sattelzugmaschine betrug umgerechnet 320 cm, was zwar zum Magirus, nicht aber zum L 5000 S (360 cm Radstand) passte.

Um 1963 wurde das bisherige LKW-Fahrgestell durch ein neues LKW-Fahrgestell mit einem großen statt zwei kleiner Tanks und integriertem Anhängerhaken ersetzt. Bei den Wiederauflagen ab 1991 griff Wiking wieder auf das ursprüngliche LKW-Fahrgestell zurück.

MB L 321

Wie oben ausgeführt ist der MB L 321 eigentlich ein leichter Langhauber, erreichte aber dieselbe Nutzlast wie der mittelschwere L 5000/5500/325 und löste diesen 1957 ab.

1961 wirkte der Hauben-LKW mit den offenen Stoßstangen nicht mehr modern. Gleichzeitig entschied man sich bei Wiking, den MB L 3500 mit geschlossener Stoßstange nicht mehr zu verglasen. Die naheliegendste Lösung wäre gewesen, die Stoßstange des L 5000 zu schließen, um so einen L 325/329 zu erhalten. Stattdessen entwickelte man bei Wiking eine neue Form mit langer Haube und v-förmigen Mittelstück der mittelschweren Baureihe (andernfalls hätte man die vorhandenen LKW- und Zugmaschinen-Chassis mit langer Trittstufe nicht weiternutzen können), stattete das Modell aber mit seitlichen horizontal gleichlang angeordneten Lüfterlamellen und Frontscheinwerfern vor dem Kotflügel der leichten Hauber aus. Auf eine Typbezeichnung für dieses Modell hat Wiking seinerzeit verzichtet. Im Gesamtverzeichnis 1948-1978 findet sich hierzu die Bezeichnung "Mercedes L 5000 (gerundet)", in den Anzeigenserien der 80er und 90er Jahre wird die Bezeichnung "Mercedes-Benz L 5000, geschlossene Stoßstangen" verwendet. Der MB L 321 war der letzte Langhauber in der 5-Tonnen-Nutzlastklasse. Der Gelbe Katalog bezeichnet das Modell abweichend als MB L 3500, eine Bezeichnung welche später auch für Wiederauflagen von Wiking übernommen wird.

Schwere Langhauber

MB L 6600

1950 entwickelte Mercedes mit dem L 6600 einen neuen schweren Hauber mit über 6 t Nutzlast, der wahlweise mit 460 cm Radstand und 500 cm Pritsche oder mit 520 cm Radstand und 600 cm Pritsche geordert werden konnte, und den es auch als Kipper L 6600 K mit 460 cm Radstand gab. 1954 wurde die Bezeichnung in L 315 bzw. LK 315 geändert. 1956 kam der L 326 mit 200 PS, 520 cm Radstand und 540 cm Pritsche hinzu, der auch als Kipper LK 326 mit 460 cm Radstand angeboten wurde. Aufgrund der gesetzlichen Beschränkungen bei Maßen und Gewichten in Deutschland endete die Produktion von L 315 und L 326 im Jahr 1958. Die Exportversionen L 331, L 332 und L 334 wurde noch bis 1962 weitergebaut.

1993 setzte Wiking das Modell des MB L 6600 und des MB L 6600 K mit jeweils 460 cm Radstand als Modell um. Beim MB L 6600 griff man dabei auf die vorhandenen Aufbauten mit einer Aufbaulänge von umgerechnet 540 cm zurück, welche besser zu einem MB L 326 gepasst hätten.